Focus Martial Arts Soest: Wie ein neues System entstand

March 22, 20266 min read

Focus Martial Arts: Wie aus Kung-Fu, San-Shou und Ziweishu ein neues System wurde

Vor einigen Jahren stand ich vor einer Entscheidung, die ich lange vor mir hergeschoben hatte.

Ich hatte über zwei Jahrzehnte drei Kampfkünste unterrichtet: Kung-Fu, San-Shou und Ziweishu. Jede für sich war wertvoll. Jede hatte ihre eigene Tiefe, ihre eigene Geschichte, ihre eigene Energie. Und trotzdem spürte ich zunehmend: Etwas stimmt nicht mehr.

Nicht mit den Inhalten. Nicht mit den Werten. Nicht mit den Menschen auf der Matte.

Sondern mit der Struktur.

Schüler sprangen zwischen drei verschiedenen Systemen hin und her. Eltern verstanden nicht, was ihr Kind eigentlich lernte. Trainer unterrichteten parallel drei Stile mit drei verschiedenen Logiken. Und ich fragte mich immer häufiger: Dient das, was wir hier tun, wirklich dem, was wir vermitteln wollen?

Die ehrliche Antwort war: Nicht mehr vollständig.

Was folgte, war ein langer, manchmal unbequemer Prozess – voller Fragen, Entscheidungen und Neuanfänge. Und am Ende stand Focus Martial Arts.


Drei Kampfkünste – drei verschiedene Welten

Um zu verstehen, was Focus Martial Arts heute ist, muss man verstehen, woher es kommt.

Kung-Fu ist das Fundament meiner eigenen Kampfkunst-Geschichte. Ich habe es als Kind begonnen, habe es geliebt – die Formen, die Eleganz, die Philosophie dahinter. Kung-Fu hat mir beigebracht, dass Kampfkunst niemals nur Technik ist. Es ist eine Haltung. Eine Art, sich zu bewegen, zu denken, zu leben. Für unsere Schüler war Kung-Fu lange der Einstieg, der Weg zu Disziplin, Respekt und körperlicher Entwicklung.

San-Shou kam als Ergänzung hinzu – die kämpferische Seite. San-Shou ist eine moderne chinesische Kampfsportart, die Schlagen, Treten, Werfen und Takedowns verbindet. Sie bringt Schüler in echten Kontakt: mit einem Partner, mit sich selbst, mit der Frage „Was kann ich wirklich, wenn es darauf ankommt?" San-Shou hat unserem Unterricht eine Bodenhaftung gegeben, die dem reinen Formenlauf fehlte.

Ziweishu schließlich war das Jüngste und Speziellste. Es steht für effektive Selbstverteidigung – klar, praxisnah, auf den Ernstfall ausgelegt. Griffbefreiungen, Kontrollsituationen, Stressbewältigung. Ziweishu hat unseren Schülern das gegeben, was viele in erster Linie suchen, wenn sie eine Kampfkunstschule betreten: das Wissen, sich selbst schützen zu können.

Drei wertvolle Systeme. Drei unterschiedliche Philosophien. Drei getrennte Welten.

Und genau das war das Problem.


Was nicht mehr funktionierte

Mit der Zeit wurde die Parallelführung dreier Systeme zu einer echten Herausforderung – für alle Beteiligten.

Kinder, die in Kung-Fu begannen, wechselten irgendwann zu San-Shou oder Ziweishu – und verloren dabei oft den roten Faden. Jugendliche, die gerne kämpften, mussten trotzdem Formen lernen, die sie nicht interessierten. Erwachsene, die Selbstverteidigung wollten, mussten sich durch ein System kämpfen, das ihnen zu traditionell vorkam.

Und meine Trainer? Unterrichteten täglich zwischen drei verschiedenen Lehrmethoden, drei verschiedenen Prüfungssystemen, drei verschiedenen Anforderungsblättern.

Ich habe damals viel über einen Satz nachgedacht, den ich irgendwann gelernt hatte:

Ein System, das alles gleichzeitig verspricht, liefert am Ende nichts vollständig.

Der Wunsch nach Veränderung wuchs. Aber auch die Frage: Wie verändert man etwas so Grundlegendes, ohne das zu zerstören, was gut war?


Die Entscheidung: Nicht ersetzen – verdichten

Ich wollte kein neues System erfinden, das alles Vorherige wegwirft. Das wäre unehrlich gewesen – gegenüber meinen Schülern, meinem Team und meiner eigenen Geschichte.

Was ich wollte, war etwas anderes: Das Beste aus drei Systemen herausnehmen, methodisch neu ordnen und in einen Rahmen bringen, der für alle funktioniert.

Nicht stilgebunden, sondern anwendungsbezogen. Nicht drei parallele Wege, sondern ein gemeinsames Fundament – mit Raum für individuelle Schwerpunkte.

Dieser Rahmen wurde Focus Martial Arts.

Am 1. September 2025 startete das neue System offiziell. Aber der Weg dorthin hatte Jahre gedauert. Jahre des Beobachtens, Experimentierens, Verwerfens und Neuordnens. Gespräche mit Trainern, Schülern, Eltern. Mentoren wie Dave Kovar und Roland Osborne, die mich in meinem Denken herausforderten und bestärkten. Und viele stille Stunden auf der Matte, in denen ich fragte: Was muss bleiben? Was darf gehen?


Was Focus Martial Arts heute ausmacht

Das Ergebnis ist ein System mit einer klaren Architektur – und einer noch klareren Philosophie.

Das Core-Training: Das Fundament für alle

Das Core-Training ist das Herzstück von Focus Martial Arts. Es ist die einzige Trainingsform, die für alle Schüler verpflichtend ist – vom 4-jährigen Vorschulkind bis zum Erwachsenen.

Hier werden die Grundlagen gelegt: Arm- und Beintechniken, Pratzenarbeit, Partnerübungen, Selbstverteidigung. Aber vor allem: Werte. Haltung. Charakter. Jede Woche steht eine der 12 Tugenden im Mittelpunkt – von Respekt über Mut bis zu Loyalität. Nicht als Theorie, sondern als gelebte Praxis im Mattengespräch.

Das Core-Training schöpft aus dem Besten der drei Ursprungssysteme: die Eleganz und Tiefe des Kung-Fu, die Praxisnähe des San-Shou und die klare Struktur des Ziweishu. Aber es ist nicht mehr stilgebunden – es ist das, was diese drei Systeme gemeinsam können.

Die drei Upgrades: Dein eigener Weg

Wer mehr will, findet im FMA-System drei optionale Vertiefungen – sogenannte Pro-Programme:

Performance-Training – für alle, die Technik zur Kunst machen wollen. Bewegungsformen, Waffenformen, Akrobatik, Partnerformen. Der Raum für Ausdruck, Eleganz und Persönlichkeit.

Combat-Training – für alle, die wissen wollen, ob sie standhalten. Kickboxen, kontrolliertes Sparring, Takedowns, Selbstverteidigung unter Druck. Mit voller Schutzausrüstung, klaren Regeln und echtem pädagogischen Konzept.

Leadership-Training – für alle, die bereit sind, mehr zu geben als zu nehmen. Der Weg vom Schüler zum Junior-Assistenten, Trainer, Prüfer – und irgendwann vielleicht zum Ausbildungsträger.

Diese drei Programme stehen nicht über dem Core – sie ruhen auf ihm. Wer eines davon wählt, vertieft dasselbe System, nicht ein anderes.

Das Sandwich-Prinzip: Drei Programme, ein Block

Was Focus Martial Arts strukturell einzigartig macht, ist das sogenannte Sandwich-Prinzip: Core-, Performance- und Combat-Training lassen sich so im Stundenplan kombinieren, dass alle drei Programme in einem einzigen Trainingsblock von 1 Stunde 45 Minuten absolviert werden können – mit nur einem Aufwärmen, nur einer Anreise, nur einem Umziehen.

Für Familien mit vollen Terminkalendern ist das kein kleines Detail. Es ist einer der Hauptgründe, warum das System funktioniert.


Was mich an diesem Weg überrascht hat

Ich dachte, die größte Herausforderung würde sein, das System zu entwickeln.

In Wirklichkeit war sie kleiner: den Mut aufzubringen, etwas Vertrautes loszulassen.

Kung-Fu, San-Shou und Ziweishu waren nicht nur Trainingsformen. Sie waren ein Teil meiner Identität. Ein Teil meiner Geschichte. Und ich wusste: Wenn ich sie in Focus Martial Arts überführe, verändert sich das Bild. Manches, das ich jahrelang gelehrt hatte, würde zurücktreten. Nicht verschwinden – aber seinen separaten Platz verlieren.

Das war nicht leicht.

Aber es war richtig.

Denn ein System, das wächst, muss manchmal bereit sein, die Form zu verändern – ohne den Kern zu verlieren. Wie ein Baum, dessen Äste sich in neue Richtungen strecken, während seine Wurzeln tiefer werden.

Focus Martial Arts ist kein System, das etwas Altes ersetzt. Es ist ein System, das aus dem Alten hervorgeht. Es verdichtet Erfahrung. Es klärt Gedanken. Es bringt zusammen, was vorher getrennt war.


Was es für dich bedeutet

Wenn du heute zum ersten Mal in unsere Halle kommst – als Elternteil, das sein Kind anmelden möchte, als Jugendlicher, der wissen will, was wirklich in ihm steckt, oder als Erwachsener, der lange gezögert hat – dann trittst du in ein System ein, das aus vielen Jahren Erfahrung, vielen Fragen und vielen Entscheidungen entstanden ist.

Kein Zufallsprodukt. Kein Import aus dem Ausland. Keine Mode.

Sondern etwas, das hier in Soest gewachsen ist. Aus drei Kampfkünsten. Aus über 30 Jahren auf der Matte. Aus dem echten Wunsch, Menschen nicht nur Kampfkunst zu lehren – sondern sie in ihrer Entwicklung zu begleiten.

Das ist Focus Martial Arts.

Und wenn du spürst, dass das etwas ist, das zu dir passt: Komm vorbei. Das erste Training ist kostenlos.


Sven Tetzlaff Kampfkunst-Meister, 6. Dan Gründer von Focus Martial Arts Kampfkunstschule Tetzlaff, Riga-Ring 2–4, 59494 Soest

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